Das steckerladbare SUV der D-Klasse ist nicht länger das Revier deutscher Premiumhersteller. Im Jahr 2025 kommen zwei chinesische Marken nach Spanien mit Angeboten ab 53.000 Euro, die auf dem Papier mehr Leistung, mehr Batterie und mehr Ausstattung bieten als ein BMW X3 xDrive30e oder ein Basis-Volvo XC60 Recharge. Die Frage ist nicht mehr, ob es sich lohnt, sie anzuschauen. Sondern welches der beiden.
Der Omoda 9 und der Lynk & Co 08 spielen dasselbe Spiel mit unterschiedlichen Karten. Der eine setzt auf rohe Leistung und Allradantrieb; der andere auf die nüchterne Sorgfalt skandinavischer Prägung, die von Volvo stammt (Geely steht übrigens hinter beiden Marken, Omoda gehört allerdings zu Chery). Im Folgenden die direkte Gegenüberstellung.
Omoda 9 PHEV 537 Premium AWD — ab ≈52.900 €
Der Omoda 9 kommt in Europa als Spitzenmodell der Marke. Die Antriebstechnik kombiniert einen 1.5 TGDi mit einem Plug-in-Hybridsystem aus drei Elektromotoren, das kräftige 540 CV und Allradantrieb liefert. Die 34,5-kWh-Batterie verspricht rund 150 km rein elektrische Reichweite – ein WLTP-Wert, der auf der Autobahn in der Praxis eher bei etwa 100 km liegt.
Im Innenraum hat Omoda seine Hausaufgaben gemacht. Zentraler Bildschirm mit 24,6 Zoll, Kunstleder am Armaturenbrett und an den Türen, belüftete Massagesitze und eine Verarbeitung, die unserer Meinung nach mit einem Basis-BMW X3 mithalten kann und ihn optisch sogar übertrifft. Beim Griffgefühl gibt es Nuancen: Der Kunststoff der Schaltwippen fühlt sich nach Kunststoff an, und die Spaltmaße der Verkleidungen erreichen nicht die deutsche Millimetergenauigkeit. Der Gesamteindruck ist dennoch beeindruckend.
| Leistung kW | Leistung CV | Höchstgeschwindigkeit | Elektrische Reichweite | Verbrauch | Umweltplakette | Kraftstoff |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ≈400 kW | ≈540 CV | ≈180 km/h | ≈150 km | ≈1,5 l/100 km | 0 Emissionen | PHEV Benzin |
Lynk & Co 08 PHEV 345 Core — ab ≈53.000 €
Der 08 verfolgt einen anderen Ansatz. Weniger Leistung (350 CV, Vorderradantrieb in der Ausstattung Core), dafür eine größere Batterie mit 39,5 kWh und einer homologierten elektrischen Reichweite von rund 200 km. Für eine rein elektrische Nutzung unter der Woche ist der Unterschied erheblich: Das sind etwa 33 % mehr WLTP-Reichweite als beim Omoda.
Der Innenraum erinnert auf allen Seiten an Volvo. Recycelte Materialien mit überzeugendem Griffgefühl, ein vertikaler 15,4-Zoll-Bildschirm mit eigener Oberfläche (nicht Google Automotive, bemerkenswerterweise), ein Harman-Kardon-Soundsystem mit 23 Lautsprechern im Core und eine rationellere Ergonomie als beim Omoda. Das Fahrzeug fühlt sich wie ein europäisches Premiumfahrzeug an, weil es das in Teilen auch ist: Es teilt die SEA-Plattform mit dem Zeekr 001 und profitiert von der Ingenieurskunst, die Geely von Volvo übernommen hat. Wer vom XC60 kommt, wird den Wechsel nicht als exotisch empfinden.
| Leistung kW | Leistung CV | Höchstgeschwindigkeit | Elektrische Reichweite | Verbrauch | Umweltplakette | Kraftstoff |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ≈260 kW | ≈350 CV | ≈190 km/h | ≈200 km | ≈1 l/100 km | 0 Emissionen | PHEV Benzin |
Wo jeder punktet
Der Omoda 9 punktet bei:
- Leistung und Traktion. 540 CV und serienmäßiger Allradantrieb gegenüber 350 CV und Vorderradantrieb im Core des Lynk. Wer ein steckerladbares SUV der D-Klasse mit echtem Vortrieb sucht, findet im Omoda die stärkere Liga.
- Sensorische Serienausstattung. Massagesitze, Belüftung, riesiger Bildschirm und Panorama-Glasdach sind ab Werk an Bord. Im Lynk Core muss man für einige dieser Merkmale eine höhere Ausstattungslinie wählen.
Der Lynk & Co 08 punktet bei:
- Reale elektrische Reichweite. Die 50 zusätzlichen WLTP-Kilometer bedeuten eine ganze Arbeitswoche ohne Tankstellenbesuch, sofern man zu Hause lädt. Es ist das PHEV, das dem täglichen rein elektrischen Betrieb am nächsten kommt.
- Wahrgenommene Qualität und stimmiges Interieur. Ohne ein Mercedes zu sein, bietet der Lynk jene Zurückhaltung, die Kunden aus dem europäischen Premiumsegment erwarten. Weniger spektakulär als der Omoda, im Griffgefühl überzeugender.
Übersichtstabelle und Bewertung
| Modell | CV | Elektrische Reichweite | Batterie | Antrieb | Preis ab | Gesamtnote |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Omoda 9 PHEV 537 Premium AWD | ≈540 | ≈150 km | ≈34,5 kWh | AWD | ≈52.900 € | 8,2 / 10 |
| Lynk & Co 08 PHEV 345 Core | ≈350 | ≈200 km | ≈39,5 kWh | Vorderradantrieb | ≈53.000 € | 8,4 / 10 |
Die angegebenen Preise sind unverbindliche Preisempfehlungen des Herstellers ohne Händlerrabatte, Aktionen oder aktuelle Förderungen wie den Plan Auto+. Den endgültigen Betrag sollte man bei jedem Verkaufspunkt erfragen.
Im Vergleich zum europäischen Premium
Können sie es mit dem X3 xDrive30e oder dem XC60 Recharge aufnehmen? Das hängt davon ab, worauf man achtet. Beim Preis-Ausstattungs-Verhältnis liegen beide chinesischen Modelle klar vorn: Für 53.000 € bekommt man bei einem deutschen Pendant nur die Basisausstattung, während hier nahezu alles serienmäßig ist. Bei den tatsächlichen Materialien (nicht nur optisch) kommt der Lynk näher heran als der Omoda. Beim verfeinerten Fahrverhalten liegen beide weiterhin zurück – etwas, das wir bereits beim Vergleich mit den Premium-PHEV als Referenz festgestellt haben.
Ein berechtigter Zweifel: der Restwert. Keine der beiden Marken hat in Spanien bisher eine Historie, und der Weiterverkauf eines chinesischen PHEV nach vier Jahren ist unbekanntes Terrain.
Fazit
- Für Vielfahrer mit täglich hohem elektrischem Anteil, die vom europäischen Premium kommen: Lynk & Co 08. Die 200 km elektrische Reichweite und das stimmige Interieur machen ihn zum alltagstauglichsten Plug-in des Duos.
- Für alle, die Power, Allradantrieb und maximale Ausstattung zum Preis suchen: Omoda 9. 540 CV und AWD für 52.900 € erreicht niemand.
- Bestes Preis-Leistungs-Verhältnis insgesamt: Lynk & Co 08. Für dieselben 53.000 € bietet er das effizienteste Nutzungsprofil und das Interieur, das am besten altern dürfte.
Die Preisdifferenz zwischen beiden liegt unter 1 %, die Entscheidung fällt also nach Anwendungsfall, nicht nach Budget.
Häufig gestellte Fragen
Haben der Omoda 9 und der Lynk & Co 08 die Umweltplakette 0 Emissionen?
Ja, beide sind PHEV mit mehr als 40 km WLTP-Reichweite rein elektrisch. Damit erhalten sie die Umweltplakette 0 der DGT und Zufahrt zu den Umweltzonen von Madrid, Barcelona und anderen Großstädten.
Wie lange dauert das Laden der Batterie beim Lynk & Co 08 an einer Haushalts-Wallbox?
Mit einer 7,4-kW-Wallbox ist die Batterie mit etwa 39,5 kWh in rund 6 Stunden voll. Der 08 unterstützt zudem Gleichstrom-Schnellladen, was im PHEV-Segment ungewöhnlich ist.
Leistet der Omoda 9 PHEV wirklich 540 CV mit Allradantrieb?
Ja. Das System kombiniert den 1.5 TGDi mit drei Elektromotoren (einer vorne, zwei hinten) für eine Gesamtleistung von rund 540 CV und serienmäßigem AWD in der in Spanien erhältlichen Ausstattung Premium.
Welche Garantie bieten Omoda und Lynk & Co in Spanien?
Omoda gewährt 7 Jahre oder 150.000 km Herstellergarantie und 8 Jahre auf die Batterie. Lynk & Co bietet in der Regel eine Abdeckung von 5 Jahren sowie zusätzliche Erweiterungen für die Batterie; die aktuellen Bedingungen sollte man vor Vertragsabschluss bei der jeweiligen Marke bestätigen lassen.
